Genogramm: Die Kraft meiner weiblichen Ahnenlinie

von | Letzte Aktualisierung: 26/07/2022 | Veröffentlicht am 06/08/2021 | Persönliches | 1 Kommentar

Anhand eines Genogramms werden zunächst wie beim Stammbaum Familienmitglieder dargestellt. Das Genogramm bietet aber noch viel mehr. Es zeigt Familienmuster, Prägungen, psychologische Einflüsse und Krankheiten auf.  Anhand meiner eigenen weiblichen Ahnenlinie habe ich über das Erbe meiner Mutter, meiner Grossmütter und einer Ur-Grossmutter nachgedacht.

Verbunden mit meinen Ahninnen

Meine Ahninnen bedeuten mir besonders viel. Mittlerweile hat sich auch ein kleiner Altar mit ihren Fotos und anderen wertvollen Gegenständen gebildet. Ich spüre, dass meine Vorfahrinnen hinter mir stehen, je älter ich werde. Ich höre ihr leises Lachen, wenn ich mir zum Beispiel Sorgen mache. Wie ich in meinem Artikel Traumzeit beschrieben habe, bin ich der Überzeugung, dass uns unsere Ahnen begleiten und unterstützen. Dies, ohne dass ich mit einer bestimmten Methode oder Ritualen mit ihnen in Kontakt treten müsste. Sie tauchen in meinen Träumen und Gedanken auf und sie leben in meinem Herzen weiter.

Barbara-Mira umringt von ihren Ahninnen

Von meinen Ahninnen umringt.

Leben in äusserer und innerer Fülle

Wenn ich auf mein inneres Frauen-Team blicke, hatten sie, jede auf ihre Weise, kein leichtes Leben. Der Erste und Zweite Weltkrieg grub sich in ihr Leben, in ihre Emotionalität und in ihr ganzes Sein ein. Meine Urgrossmutter, in einfachen Verhältnissen lebend, habe ich stets fröhlich in Erinnerung. Sie liebte uns und immer wenn wir zu Besuch kamen, buk sie uns Chräbeli (Biskuits). Worauf ich besonders stolz bin, dass sie eine Suffragette war.  Meine Oma war eine deutsche Trümmerfrau. Sie verlor ihren Mann kurz nach dem Krieg. Auch sie lebte bescheiden, war sehr religiös und teilte ihr gesamtes Hab und Gut mit der Nachbarschaft. Von ihr habe ich gelernt, was es heisst, in Fülle zu leben, trotz Widrigkeiten. Sie strahlte eine Präsenz und Würde aus und, obwohl sie nicht viel besass, war sie wahrlich eine Königin.  Meine Nonna (väterlicherseits) hingegen heiratete einen Chirurgen und fühlte sich zeitlebens als Königin. Sie hatte ein wunderbares Schloss ääh Chalet, geschmackvoll eingerichtet und sie selber war von Kopf bis Fuss gepflegt. Sie konnte sich wegen der Heirat viel leisten. Gearbeitet hatte sie nicht, da sie auch Angestellte beschäftigte. Leider war sie die Hälfte ihres Lebens unglücklich und unzufrieden. Sie war stets das Anhängsel ihres Ehemannes und es nützte nichts, dass man Frau Doktor zu ihr sagte. Ich liebte sie sehr, denn wir beide waren von lyrischem Wesen. Wir liebten Gedichte, die Stille und unsere gemeinsamen Gespräche in ihrem Boudoir. Auch meine Mutter heiratete einen angehenden Arzt. Für sie war die Überlebensfrage geklärt. Die Kriegskindergeneration hatte eine ganz andere Haltung zur Familie. Obwohl die Ehe meiner Eltern eine Liebesheirat war, konnte man sie dennoch als Vernunftehe bezeichnen. Der ganze Familienbetrieb stützte sich auf die Familienmanagerin. Familie war wichtig, auch für die Karriere des Mannes. Obwohl meine Mutter später arbeiten wollte, kam das nicht infrage, weil das Familienoberhaupt es nicht erlaubte. Natürlich hatte sie viel zu tun mit der 4-köpfigen Kinderschar.  Immer stand jedoch noch etwas Anderes zwischen ihr und mir, was ich als Kind nicht begreifen konnte. Sie litt zeitlebens unter dem Kriegstrauma. Sie war so mit Funktionieren beschäftigt, dass eine warme, lebhafte Beziehung mit ihr nicht möglich war. Dennoch hat sie mir viel Gutes mit auf den Weg geben können. Ihre Liebe zur Kunst und zu Pflanzen, ihre pragmatische Art und ihre Zielgerichtetheit war bewundernswert. Zu jener Zeit war es aber ein Tabu, psychologische Hilfe und Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Die langen Schatten der Vergangenheit

Erst die Kriegsenkel, zu der meine Generation gehört, hat sich mit dem Schweigen und der Emotionslosigkeit ihrer Eltern auseinandersetzen können. Viele spürten den diffusen Nebel, der sie umgab und begaben sich auf einen Heilungsweg. Ich vermute, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen den häufigen Burnouts unserer Generation und den Folgen der Traumata unserer Eltern. Das harte Arbeiten, manchmal bis zur Erschöpfung, haben wir von ihnen abgeschaut. Ich meine, dass auch unsere Kinder noch von diesem Trauma abgekriegt haben weil die Generation X zum Teil unter einer gewissen Interessen- und Perspektivenlosigkeit leidet. Buchtipp: Kriegsenkel von Sabine Bode

Die äussere Fülle kommt nicht ohne die innere aus

Mangel und Fülle sind deswegen meine Mentoring-Themen. Ich beschäftige mich dank meiner Ahninnen mit der äusseren und der inneren Fülle.  Sehr früh ist mir auch klar geworden, dass ich ein selbstständiges Leben wollte, ohne finanzielle Abhängigkeiten von einem Mann. Immer schon wollte ich arbeiten und mein eigenes Geld verdienen und zwar mit Familie. Darin hat mich interessanterweise vor allem unser Vater unterstützt.  Früher schien es unmöglich, Familie zu haben und trotzdem auswärts zu arbeiten. Viele Frauen mussten sich zwischen den zwei Optionen entscheiden. Meine Vorfahrinnen konnten oder wollten nicht als alte, unverheiratete Jungfer enden, zumal der Ruf einer Frau so wichtig war. Mangel und Fülle sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Ich habe erkannt, dass es als Frau in jeder Lebenslage wichtig ist, die innere Königin zu kennen – darum: Sei eine Königin, wild und weise!

1 Kommentar

  1. Silke

    Liebe Barbara-Mira,

    beim Stöbern auf deiner so wunderbar gestalteten Website stieß ich auf diesen Blogartikel. Er berührt mich sehr, und die Idee des Ahninnen-Altars werde ich wahrscheinlich auch umsetzen als Quelle für meine KöniginnenKraft.

    Herzlichen Dank und liebe Grüße,
    Silke

    Antworten

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