No Gurus: Warum es für Selbsterkenntnis keine selbsternannten Götter wie Gurus braucht! (Rant)

von | Letzte Aktualisierung: 02/08/2021 | Veröffentlicht am 17/07/2021 | Persönlichkeitsentwicklung | 2 Kommentare

Die Urvölker brauchten noch keine Selbsterkenntnis zu betreiben. Sie waren mit der Umwelt so verbunden, dass sie sich im grossen Ganzen wahrnehmen konnten. Ihr Guru war die Natur. Heute ist es nicht einfach, eine gute Begleitung für diesem Weg zu finden.

Die Ära der Gurus ist hoffentlich bald vorbei.

Später profilierten sich dann Schamanen, Pfarrer und Psychologen und auch viele Gurus. Zumeist waren und sind es noch heute Männer, die sich da gut positionieren und vermarkten. Viele vermitteln Systeme, Konzepte und Dogmen.
Pfui, diese Zeiten sind zum Glück bald vorbei – weil jede früher oder später erkennt: “Ah, der Guru (bzw. die Herrin in meinem Haus) bin ich!” und kann ihre Projektionen auf andere endlich zurücknehmen.

Warum braucht es überhaupt einen Lehrer oder Coach?

Um klarzustellen: Ich habe nichts gegen Lehrer:innen, die den ganzen Weg selber gegangen sind und ihre Grenzen erkennen und auch ihren Machtgelüsten ins Auge blicken.
Manchmal braucht es auch eine Lehrerin, wenn ich mich vegan ernähren will, wenn ich Bloggen lernen will, wenn ich ein Onlinebusiness aufbaue.
Auf der Ebene der Persönlichkeitsentwicklung ist es sinnvoll, eine Begleitung zu haben. Die Mentorin ist den Weg gegangen und kann dir beistehen, auf diesem steinigen Pfad.
Selbsterkenntnis hat zunächst wenig mit spiritueller Erleuchtung zu tun, sondern viel mehr mit dem Erkennen der eigenen Schattenseite – und das macht nicht immer Spass. Das heisst im besten Fall jedoch nicht, dass dir deine Unterstützerin die Schattenseiten auftischt.
Die Trennungslinie, wann sich ein Lehrer zum Guru macht, ist meistens unscharf. Es gibt allerlei Menschen in verschiedenen Branchen, die sich wie Gurus aufspielen, darunter auch Coaches. Leider sind selbstkritische Experten und Expertinnen selten anzutreffen. Durch die zumeist weiblichen Anhängerinnen glauben die bejubelten Lehrer manchmal selbst, dass sie auserwählt sind und sich auch so verhalten dürfen.
In unterschiedlichen Bereichen tummeln sie sich, die Gurus, die auch ausserhalb ihres bezahlten Auftrages missionieren, beschwören, sich mordsmässig aufspielen, ganze Hallen füllen und sich feiern lassen wie Rockstars. Inakzeptabel sind für mich auch total überrissene Preise, die auf einen Guru hinweisen sowie ihre unhaltbaren Versprechen.
Nun gut, du hast dich vielleicht für einen Guru entschieden und lässt dich auf ein Abenteuer ein. Nachfolgend findest du Punkte, die dir helfen sollen, Klarheit in deine Beziehung zu bringen.

Wie erkennst du die Abhängigkeit von einem Guru?

Nirgends aber sind Gurus gefährlicher als in der Bewusstseins-Szene. Da es häufig darum geht, dass das Ego geschwächt oder gar abgegeben werden soll, ist das Ich damit beschäftigt, dem Guru zu dienen (Bhakti-Yoga). Du erkennst deine Abhängigkeit an folgenden Punkten:

  • Es fängt meistens überglücklich an. Du bist begeistert, diesen Lehrer gefunden zu haben. Du räumst der Person viel Platz in deinem Leben und in deinem Herzen ein.
  • Anfängliche kritische innere Stimmen werden überspielt mit “er weiss schon, was er tut” und dabei gibst du zunehmend deine kritische Haltung ab und verfällst in einen kindlichen Zustand, der den Lehrer als Vater oder gar als Geliebten betrachtet.
  • Die Anhängerinnen arbeiten fleissig mit am guten Ruf und der Vision des Lehrers, sie bewässern Wüsten, bewirten oder heilen Gäste – und alles natürlich unbezahlt.
  • Es grassieren Ausdrücke wie: „Unconditional Love”, “du bist halt noch sehr im Ego”, “deine Probleme verschwinden, wenn du das Ego loslassen kannst”. “Der Guru bringt mich auf die nächste Stufe” oder gar “er sieht alles”. Mit einem kurzen, aber klaren Blick auf den Meister würde dir auffallen, wie sehr sich dessen Ego aufbläht.
  • Vom Missbrauch (körperlicher oder emotionaler Art) durch Gurus wird zwar innerhalb der Gruppe gesprochen, aber Kritik an ihm ist verpönt, wenn nicht sogar verboten.
  • Ich kenne mindestens einen Psychologen-Guru einer psycho-spirituellen Gruppe, der kritische Stimmen auf Google löschen lässt und gerichtlich gegen jeden vorgeht, der sich ihm kritisch in den Weg stellt.
  • Du erkennst den Guru häufig an seinen grossen Versprechen.

Gegen Ende der Beziehung, stellst du fest:
a) Du hast gefunden, was du gesucht hast und zwar durch deine eigene Arbeit. Der Lehrer war nur deine Projektionsfläche: Ich gratuliere dir!
b) Du bist enttäuscht und suchst nach einem neuen Lehrer: go for it – aber es wird nicht viel bringen, denn du liebst es, den Lehrer auf einen Sockel zu stellen.
c) Durch Schmerzen (körperlicher oder emotionaler Art) hast du verstanden, dass deine Grenze niedergetrampelt wurde: Ich fühle mit dir, denn du konntest zu diesem Zeitpunkt noch nicht gut für dich schauen. Lass uns reden!
d) So oder so, du hast verstanden, dass du alles Mögliche zugelassen, mitgemacht oder eingefädelt hast und gibst keinem Guru/Lehrer o.ä. mehr die Schuld: Du bist in der Selbstliebe angekommen – wie schön!

Was kannst du sonst für deine Persönlichkeitsentwicklung tun?

Wie sonst kannst du dich also dem Thema Selbsterkenntnis nähern? Es gibt dafür den spirituellen Weg, den psychologischen Weg oder den Weg über Beraterinnen, Mentorinnen oder Coaches.
Auf jeden Fall ist der Weg ein ziemlich einsamer und auch anstrengender (für dich und deine Umwelt 😉 ) trotz der Begleitung. Denn in dieser Zeit schaust du in dein Inneres und erkennst im Äusseren, wie zum Beispiel deiner Arbeit oder deiner Partnerschaft, Konfliktpunkte, Schattenseiten und vieles mehr.
Wenn du eine Begleitperson gefunden hast, die zu dir passt, achte darauf, dass du sie nicht ungewollt über dich selber stellst. Bleibe dir gegenüber wachsam!
Ich kann über mich als Mentorin folgende Punkte festmachen:

  • Meine Beratungen und Angebote sind online erhältlich
  • Du bleibst in deiner gewohnten Umgebung
  • Die Begleitung ist zeitlich relativ beschränkt. Du bezahlst ein Angebot (auch wenn es nicht ganz billig ist), gehst du sonst keine weiteren Verpflichtungen ein
  • Ich gebe keine Versprechen ab, die nicht erfüllt werden könnten
  • Es gibt kein Ego, welches abzugeben ist
  • Ich gestalte meine Arbeit transparent
  • Ich bin offen für Kritik

Prüfe, mit welcher Begleitperson du zusammenarbeiten möchtest.

Prüfe gut, mit wem du zusammenarbeiten willst und wer zu dir passt. Schaffe Klarheit darüber, was du vom anderen erwartest, zum Beispiel in einem Kennenlerngespräch. Schaue auch gut, welchen Traum von dir diese Person bedient. Sei wachsam, auf welche “Drogen” des Coaches wie Schmeichelei, Harmonie, übermässige Freundlichkeit u.v.m. du anspringst.

Fazit: Die Früchte der Selbsterkenntnis

Ob du nun deinen Persönlichkeitsentwicklungs-Weg mit einem Coach oder Guru gehst, ob du schlechte oder gute Erfahrungen machst, die Ernte wird üppig ausfallen, auch wenn es etwas unter “Lessons learnt” zu verbuchen gibt. Dieser Erkenntnis-Weg ist für mich das Ziel des Lebens überhaupt.
Wenn du dich selber erkannt hast:

  • kennst du deine Grenzen und weisst, wann du sie verteidigen musst
  • verstehst du, was mit Selbstliebe gemeint ist
  • liebst du die Stille und das Lebendige
  • bist du authentisch
  • akzeptierst du deine Unperfektheit
  • kennst du deine Berufung
  • verstärkt sich die Verbundenheit mit allem
  • und Vieles mehr

Confession: Für die Selbsterkenntnis habe ich selber keine Mühen und kein Geld gescheut. Dabei bin ich auch in schwierige und gefährliche Situationen geraten. Ich habe gelernt von Gurus, Schamanen, Yoginis, Psychologen, Mentorinnen und Coaches und aus Büchern.

2 Kommentare

  1. Habiba

    Danke für den Wiedererkennungs-Effekt …
    „Der …(Guru) beschäftigt dein Ego, bis er den Rest repariert hat“!

    M.E. öffnet die Verehrung/ Hingabe müheloser innere Türen. Siehe der/die Lehrende in der Weisheitsgeschichte zum Anwärter: Geh dich erst verlieben, dann komm wieder.

    Ich bin sehr dankbar für gute Lehrende, die über Begrenzungen helfen, insistieren, präzise sind, sich überflüssig machen.
    Ich erlebe, dass du deine Aussagen wirklich verkörperst.

    Antworten
    • Barbara-Mira

      Liebe Habiba, danke für deinen werschätzenden Kommentar! Sich irgendwann überflüssig machen, finde ich einen wichtigen Impuls. Liebe Grüsse BM

      Antworten

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